14.04.2021

Naturdächer – Mehr Artenvielfalt auf den Dächern mittels Biodiversitätsbausteinen

Biodiversität bedeutet biologische Vielfalt und ist für das Leben des Menschen, sein Wohlergehen und seine Gesundheit, sowie für die zukünftige Entwicklung von zentraler Bedeutung. Alle Gesellschaften und Kulturen sind direkt oder indirekt auf die Nutzung einer artenreichen Natur angewiesen.

Biodiversität in der Krise

Österreich ist aufgrund seiner geografischen Lage und der unterschiedlichen Habitate eines der Artenreichsten Länder in Mitteleuropa. Es beherbergt ca. 3000 Pflanzen- und 54000 Tierarten. Davon sind ungefähr 700 Arten einheimische Wildbienen von denen auch ca. 230 Wildbienenarten auf Dachbegrünungen zu finden sind. Leider hat gegenwärtig ein Drittel aller Arten eine ungewisse Zukunft, ist gefährdet oder steht auf der roten Liste. Zu den langfristigen globalen Krisen der Erde zählt mittlerweile neben der Klimakrise auch die Biodiversitätskrise. Franz Essl, Biodiversitätsforscher von der Uni Wien, vergleicht den Zustand der heimischen Biodiversität mit einen freien Fall und stellt sich dabei die Frage wie dieser wohl enden wird. Ebenso hält er fest, dass uns noch wenig Zeit bleibt um zu entscheiden wie wir den Fall dämpfen möchten. Der Grund für den freien Fall liegt u.a. im Verschwinden der Lebensräume, oder an einer immer intensiver werdenden Landwirtschaft mit steigendem Pestizid- und Düngemitteleinsatz. Kurz gesagt immer mehr Boden geht für die Arten verloren. Laut dem aktuellen Bodenreport des WWF wurden in Österreich mittlerweile ein Fünftel der bewohnbaren oder für die Landwirtschaft nutzbaren Flächen verbaut. Nicht unwesentlich ist dabei, dass nur mehr sieben Prozent des Landes als sehr naturnah einzustufen ist. Begrünte Architektur kann zumindest im Wirkungsbereich von Städtebau und Raumplanung einer der Fallschirme sein, welcher mithelfen kann, den oben beschriebenen Fall zu dämpfen. Besonders extensive Dachbegrünungen sind ein ökologischer Mehrwert für unsere Flora und Fauna, da sie Flächen für Lebensräume bieten auf denen natürliche dynamische Prozesse stattfinden können. Je nach Aufbau und Zusammensetzung können diese Prozesse unterschiedlich stark wirken.

Biodiversität durch Dachbegrünung

Mein Fachartikel soll Ihnen näher bringen wie einfach man Dachflächen lebendig gestalten kann bzw. wie man bestehende Extensivbegrünungen mit geringem Aufwand aufwerten kann.

Biodiversitätsbausteine am extensiven Gründach:

  • Unterschiedliche Substrathöhen 10-20cm > Substratmodelierungen
  • Offene Wasserstellen
  • Strukturgehölz bzw. Totholz
  • Vegetationsfreie Bereiche z.B. Sand,- Stein- und Lehmstrukturen

Biodiversitätsbausteine haben im weitesten Sinne die Funktion Nistplätze, Nahrungsangebot, Wasser und Baustoffe für Insekten und Vögel zur Verfügung zu stellen. Konventionelle Extensivbegrünungen sind mittlerweile aufgrund ihrer wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteile aus der Bauwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Im Mindestaufbau haben diese i.d.R. eine Schichtstärke von 10-12cm (inkl. der Drän- und Wasserspeicherebene). So schafft man mittels Gründach ein Habitat für ca. 10 niedrigwachsende Pflanzenarten, hauptsächlich Sedum. Erhöht man nun diese Schichten um nur wenige Zentimeter, d.h. auf ca. 15-25cm steigt die Artenanzahl auf ca. 30-50 Pflanzenarten an und das Gründach bekommt von der Optik her einen Blumenwiesencharakter. Neben den Sedumarten gedeihen dann auch viele Wildstauden, Kräuter und Gräser. Dies liegt im Wesentlichen an der Erhöhung von Wurzelraum, Wasserspeicher und Nährstoffen. Die Erhöhung der Pflanzen- und Strukturvielfalt sorgt für ein artenreiches Blüten- und Nahrungsangebot welches von bestäubenden Insekten zu unterschiedlichen Jahreszeiten genutzt wird. Mehr Flora führt daher auch in weiterer Folge zu mehr Fauna. Die Substratschicht muss nicht zwingend vollflächig in der gleichen Höhe aufgebracht werden. Variierende Schichtstärken fördern sogar die Biodiversität, da dadurch unterschiedliche Habitate entstehen. In diesem Fall gilt wieder mehr ist mehr, da mehr Standorte auch mehr Pflanzenarten zulassen. Anhügelungen und Substratmodellierungen werden von diversen Insekten als frostfreie Rückzugsbereiche und als Nisthilfen genutzt. Da 2/3 der Wildbienen bodennistend sind, fördert man diese mit vegetationsfreien offenen Bodenstellen mit einer Tiefe von min. 10cm. Hohlraumnistende Insekten benötigen hingegen Stengelstrukturen oder Spalten zwischen Steinen. Weitere wichtige Nisthilfen und Lebensräume sind Struktur- und Totgehölze im Idealfall in unterschiedlichen Holzarten. Einer der wichtigsten Materialien für den Nestbau ist Lehm. Auch diesen kann man auf offenen Bodenstellen einfach ablagern. Da ja Wasser bekanntlich der Ursprung allen Lebens ist, sind Wasserflächen auch bei Naturdächern von großer Bedeutung. Wasserstellen sind als Tränken für Vögel und Insekten grundsätzlich einfach herzustellen. Man kann z.B. eine Teichfolie in einer kleinen Substratmulde verlegen. Für den UV und Erosionsschutz wird die Teichfolie mit Kies beschüttet. Nach dem nächsten Regenereignis steht das Wasser den Tieren zur Verfügung.

Fazit Naturdach

Eine Extensivbegrünung mit Biodiversitätsbausteinen ist eine kostensparende, simple Bauweise mit hohem Mehrwert für die Allgemeinheit. Denn prinzipiell gilt: Je höher die Biodiversität, desto besser ist die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme bei Veränderungen der Umweltbedingungen und desto stabiler sind die erbrachten Ökosystemdienstleistungen für uns Menschen.

Ansprechpartner Optigrün Österreich:
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Gebietsleiter Optigrün
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