Flachdach und Schrägdach.
Dachkonstruktionen und ihre Eignung für Dachbegrünungen

Dachbegrünung bei Flachdach und Schrägdach
Es ist in keiner Norm oder Richtlinie definiert, ab welcher Dachneigung von "Flachdach", "Schrägdächern" oder „Steildächern“ zu sprechen ist. Orientiert man sich an der Dachbegrünungsrichtlinie geht man bei 0-5° von einem "Flachdach" aus, ab 5° Dachneigung (= 9 % Dachgefälle) von einem „Schrägdach“ (geneigte Dächer) und ab 15° Dachneigung (27 %) von einem "Steildach".

Flachdach mit Dachbegrünung: Schichtaufbau bei gefällelosen Dächern
In der Regel sollten Flachdächer ein Mindestgefälle von 2 % haben. Bei diesem Gefälle können sowohl einschichtige- als auch mehrschichtige Dachbegrünungsaufbauten verwendet werden.

Flachdächer mit sehr geringem bzw. ohne Gefälle, sogenannte "0-Grad-Dächer" sind in Deutschland keine Seltenheit und dürfen unter Beachtung der entsprechenden Normen auch gebaut werden. Doch gerade im Zusammenhang mit einer Dachbegrünung ergeben sich einige wissens- und beachtenswerte Punkte. Die Praxis hat gezeigt, dass bei einem Flachdach ohne bzw. mit sehr geringem Gefälle das Wasser an verschiedenen Stellen nicht sofort abläuft und sich Bereiche mit stehendem Wasser bilden. Bei Flachdächern und Leichtdachkonstruktionen mit großen Spannweiten und geringem Gefälle verstärkt eine Begrünung mit ihrem Eigengewicht und Wasserspeicherung mögliche Durchbiegungen. Diese führen dann zu weiteren Wasseransammlungen und stehendem Wasser.

Die Problematik bei einer extensiven Dachbegrünung auf einem Flachdach mit stehendem Wasser liegt bei der Vegetationsentwicklung. In der Regel wird sich die Vegetation auf Dächern ohne Gefälle und stehendem Wasser anders entwickeln als auf Dächern ohne stehendes Wasser. Die Pflanzen vertragen keinen dauerhaften Wasseranstau und Vernässung des Substrats. Steht großflächig zu lange und zu viel Wasser ist mit einer anderen Vegetation zu rechnen als ursprünglich geplant war. Das Problem muss schon in der Planungsphase der Dachbegrünung erkannt und angegangen werden. Von Pflanzenausfällen und Kümmerwuchs mit Moos-Monokulturen statt der vielleicht gewünschten Sedum-Kräuter-Vegetation bis zu Gras-Dächern mit Ansiedlung von Gehölzen ist je nach den örtlichen Gegebenheiten alles möglich. Eventuell vorgegebene Vegetationsformen können bei stehendem Wasser trotz aufwändiger Pflege nicht erreicht werden.

Ziel aller vegetationstechnischen Maßnahmen ist es, einen ausreichenden Abstand zwischen stehendem Wasser auf dem Flachdach und der Vegetationstragschicht zu schaffen, damit die Pflanzenwurzeln aus dem Wasser herausgehalten werden und das Substrat nicht vernässt. Die in der Praxis am besten bewährte Lösung ist die Verwendung eines klassischen Mehrschichtaufbaus mit separater Dränschicht. Kleinere Mulden und Unebenheiten mit stehendem Wasser können noch mit Schüttgüterdränage ausgeglichen werden. Die bessere Lösung, vor allem wenn das Wasser großflächig längere Zeit über einen Zentimeter auf dem Dach steht, ist der Einsatz eines Dränelements. Es wird direkt ins Wasser verlegt und mit einem Filtervlies überdeckt und schafft damit einen kapillarbrechenden Abstand zur Vegetationstragschicht. Die Höhe der verwendeten Dränelements richtet sich nach der Höhe des maximalen Wasserstands und sollte etwa zwei Zentimeter höher sein. Ihre Hauptfunktionen sind Wasserableitung und Abstandshalter zwischen Wasser und Substrat.

Schrägdach mit Dachbegrünung (bis 15° Dachneigung)
Der Schichtaufbau bei Schrägdächern ist ähnlich wie bei Flachdächern: 

  • Schutzlage
  • Dränage
  • Vegetationstragschicht
  • Vegetation

Es muss im Gegensatz zum Flachdach keine über die gesamte Dachfläche gehende Dränschicht vorhanden sein. Aufgrund der Dachneigung geht man von einer schnellen Wasserableitung in Richtung Traufe aus, so dass eine Dränage im Traufbereich ausreichen kann. Hier fällt das meiste Wasser an und dementsprechend müssen Dränage und Entwässerungseinrichtung dimensioniert und aufeinander abgestimmt sein. Bei geneigten Dächern wird der Wasserspeicherung größerer Bedeutung beigemessen. Je stärker die Dachneigung ist, desto schneller wird das Wasser abgeführt und muss durch einen Schichtaufbau mit höherem Wasserspeichervermögen ausgeglichen werden. Das kann durch die Verwendung eines gut verzahnenden und lagestabilen Substrates mit organischen Anteilen geschehen, das insgesamt nicht zu grobkörnig sein darf. Die Kenndaten richten sich dabei nach einem Extensivsubstrat für mehrschichtige Bauweise, auch wenn es bei geneigten Dächern meist einschichtig eingebaut wird. Eine mehrschichtige Bauweise mit Dränschicht aus Kunststoffelementen ist ebenfalls möglich. Die Dränelemente übernehmen dabei eine Dreifachfunktion: unterseitig Dränage, oberseitig Wasserspeicher und Rutschsicherung. Auf eine separate Filterschicht in Form eines Filtervlieses wird in der Regel verzichtet, damit sich Vegetationstragschicht und Dränage besser verzahnen. Die Schichtdicke der Vegetationstragschicht sollte mindestens 8 Zentimeter (bei Ansaat und 6 cm bei Verwendung einer vorkultivierten Vegetationsmatte) betragen, um den Pflanzen ein Minimum an Unterbau und Wasser zu bieten. Bei geneigten Dächern bis 15° sind zur Vegetationsaufbringung Ansaat und Pflanzungen möglich, über 15° sind nur noch vorkultivierte Vegetationsmatten zu empfehlen.

Gründach bei Steildach (ab 15° Dachneigung)
Geht die Dachneigung über 15° (27%) sind konstruktive Maßnahmen zur Schubsicherung vorzusehen, um zu verhindern, dass der Gründachaufbau beispielsweise bei Starkregen ins Rutschen kommt. Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass bei Dächern über 15° Dachneigung Maßnahmen zur Rutschsicherung notwendig sind. Begrünte Dächer sind bis etwa 45° Dachneigung (100% Gefälle) möglich. Das sind dann allerdings schon Extremfälle, üblicherweise werden Dächer bis etwa 30° Dachneigung begrünt. Folgende Punkte sind bei der Planung und Ausführung eines begrünten Steildaches besonders zu beachten:

  • Schichtaufbau bei Steildächern
    Der Gründachaufbau bei geneigten Dächern über 15° Dachneigung sieht im Grunde genauso aus wie bei den leicht geneigten Dächern. Was die Steildächer von den anderen leichter geneigten Dächern unterscheidet, sind vor allen die Rutsch- und Schubsicherung und die Vegetationsaufbringung.
  • Schutzlage
  • Dränage (im Traufbereich oder vollflächig)
  • Rutsch- und Schubsicherung
  • Vegetationstragschicht
  • Vegetation
  • Rutsch- und Schubsicherung

Ab einer Dachneigung von über 15° (27%) sind konstruktive Maßnahmen zur Schubsicherung vorzunehmen. Dächer unter 15° Dachneigung und Fließlängen über 15 m bedürfen ebenfalls besonderer Schubsicherungsmaßnahmen. Wichtig dabei ist die Verwendung bewährter, verwitterungsbeständiger und statisch belastbarer Schubsicherungssysteme. Holzkonstruktionen sind ungeeignet, da sie früher oder später verwittern. Zu Beginn der Planung ist zu entscheiden, wohin die Last des Gründachaufbaus über die Schubsicherung (sogenannte Schubschwellen) abgetragen werden soll. 

Es gibt drei Möglichkeiten: 

  • Schubabtrag flächig auf die Unterkonstruktion
  • Schubabtrag über bzw. am First
  • Schubabtrag auf die Traufe. 

Der Abstand der Schubschwellen richtet sich nach der Dachneigung und dem verwendeten Schubsicherungssystem. Das Substrat wird in der Regel so eingebaut und verdichtet, dass es die Höhe der Schubschwellen einnimmt bzw. bis zu zwei Zentimeter überdeckt. Die darauf aufgebrachten vorkultivierte Vegetationsmatten müssen hohlraumfrei verlegt werden, damit sie gleichmäßig flächig anwachsen können.